Dreister Abgasbetrug bei zwei Porsche-Modellen: Behörden rufen die Luxusgeländewagen Cayenne und Macan zurück, weil sie gleich mehrere Software-Manipulationen entdeckt haben.

Merkel stellt sich vor Autoindustrie

Wie das Magazin der SPIEGEL berichtet, hatte sich Kanzlerin Angela Merkel am Mittwoch noch vor die Autoindustrie gestellt. Es sei nicht im Interesse der Regierung, “durch politische Maßnahmen die Automobilindustrie so schwächen, dass sie keine Kraft mehr hat, in die eigentlichen Zukunftsinvestitionen etwas hineinzustecken”, sagte sie im Bundestag. Die Autobosse forderte Merkel zugleich auf, “verloren gegangenes Vertrauen selber wieder gut” zu machen. Vielleicht hätte die Kanzlerin noch einmal Rücksprache mit ihren Beamten vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) halten sollen, bevor sie die Hersteller so öffentlichkeitswirksam in Schutz nahm.

Rückruf Tausender Porsche wegen Dieselskandals

Zwei Tage zuvor hatte die Flensburger Behörde ein Schreiben an den zum VW-Konzern gehörenden Sportwagenbauer Porsche verschickt. Gegen zwei seiner Diesel-Modelle haben die Beamten einen amtlichen Rückruf erlassen, wodurch der Dieselskandal jetzt auch die Premiummarke Porsche fest im Griff hat.

Macan und Cayenne betroffen

Dabei handelt es sich nach Informationen des SPIEGEL und des Bayerischen Rundfunks um das aktuelle Modell des Macan 3.0 Liter V6 mit einer Stückzahl von 53.000 und den Cayenne 4.2 Liter V8, bei dem in 6800 Exemplaren Software manipuliert wurde.

Illegale Abschalteinrichtungen

“Aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen kann es im Betrieb der Fahrzeuge zu erhöhten NOx-Emissionen kommen”, so ein Sprecher des Verkehrsministeriums. Beide Modelle haben die Schadstoffklasse Euro 6, die von Konzernen und Regierung beworben werden, um im Austausch gegen ältere Diesel für bessere Luft zu sorgen.

Beim Macan fanden die Prüfer des KBA fünf illegale Abschalteinrichtungen, die bewirken, dass das Abgasreinigungssystem nur im Labor voll funktioniert – aber nicht auf der Straße. Im Verkehrsministerium ist man über die Anzahl der Software-Manipulationen ebenso verärgert wie über den Umstand, dass beim Macan bereits 2016 ein Softwareupdate vorgenommen wurde, um die Abgaswerte zu verbessern. Damals hatte der Stuttgarter Autohersteller die jetzt beanstandeten Manipulationen nicht eingestanden. Porsche erklärte, man habe diesen Februar die Behörden über “Unregelmäßigkeiten” informiert.

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck

Es ist nicht das erste Mal, dass Porsche Manipulationen an der Abgasreinigung eingestehen musste. Unter anderem verhängte der damalige Verkehrsminister Alexander Dobrindt einen Verkaufstopp für den Porsche Cayenne mit 3-Liter-Motor, der Rückruf startete im Herbst des vergangenen Jahres. Damals wurde eine Technik festgestellt, die erkannte, dass ein Fahrzeug auf einem Abgasprüfstand stehe. In Tests sprang dann eine “Aufwärmstrategie” an, die im realen Verkehr nicht aktiviert wurde. Aufgrund des Abgasskandals hat Porsche aktuell keine Fahrzeuge mehr mit Diesel im Programm. In diesem Jahr werde der Hersteller auch keinen Diesel ins Programm nehmen.

Audi A6 und A7 ebenfalls betroffen

Volkswagen bringt die Bundesregierung unter Druck. Schon vor zwei Wochen musste der Konzern bei seiner Tochter Audi gestehen, illegale Abschalteinrichtungen bei den Modellen A6 und A7 verwendet zu haben. Beide wurden mit Umweltprämien von bis zu 10.000 Euro beworben, wenn Kunden den Wagen kaufen und ihren alten Diesel dafür verschrotten lassen. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sieht genauso wie die Kanzlerin in diesen Umtauschaktionen einen Weg, um Dieselfahrverbote in den Städten zu verhindern. Sie lehnen Nachrüstungen von älteren Dieseln mit Stickoxid-Katalysatoren als zu teuer ab. Diesen Kurs zu rechtfertigen, fällt allerdings immer schwerer, wenn weitere aktuelle Modelle mit Software-Manipulationen auffallen.

Widerrufsjoker bei Porsche Macan und Cayenne einsetzen

Wie alle Autos von Porsche handelt es sich bei den betroffenen Modellen um ausgesprochen teure Sport- und Geländewagen (SUVs), die oftmals finanziert werden. Bei Einstiegspreisen für den Macan ab 60.000 € und für den Cayenne ab 120.000 € ist das leicht nachvollziehbar. Der Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht Dr. Storch von der Kanzlei DR. STORCH und Kollegen empfiehlt daher – neben Ansprüchen aus Mangelhaftung und arglistiger Täuschung –  den sogenannten Widerrufsjoker zu ziehen. Denn in den meisten Darlehens- und Leasingverträgen der großen Autohersteller wie VW, Mercedes und BMW verstecken sich fehlerhafte Widerrufsbelehrungen, die eine unkomplizierte Rückabwicklung des Autokaufs möglich machen, so Fachanwalt Dr. Storch in einer ersten Einschätzung.